In den vergangenen Tagen habe ich am LI-Hamburg am Workshop “Individualisiertes Unterrichten mit Weblogs” von Lisa Rosa (@lisarosa) teilgenommen. Der Workshop mit 18 Refrendarinnen und Referendaren lief über zwei Tage.
Erster Workshoptag
Der erste Tag begann selbstverständlich mit einer Vorstellungsrunde und bestand im weiteren Verlauf aus einem Besprechen der Erwartungen, welche teilweise schon vorab kommuniziert wurden, einer Erkundung von Lehrerblogs mit der Fragestellung warum Lehrer bloggen, einer allgemeinen Einführung in Weblogs und ersten praktischen Schritten.
Warum bloggen Lehrer?
Nach Begutachtung einiger Lehrerblogs durch die Workshopteilnehmer wurden (die vermuteten) Argumente gesammelt warum (diese) Lehrer bloggen. Dies waren im wesentlichen:
- Austausch mit Kollegen (über lokale Grenzen hinweg)
- Bereitstellung von Material für Kolleginnen und Kollegen
- Weitergabe von Erfahrungen
- Soziales Netzwerk
- Online Arbeitszimmer
- Frust von der Seele schreiben
- Neue Ideen finden
- Reflexion
Es zeigte sich jedoch, dass die meisten WorkshopteilnehmerInnen zunächst lieber ein Unterrichtsblog erstellen wollten als ein Blog welches primär die eigene Lehrtätigkeit thematisiert.
Zweiter Workshoptag
Der zweite Tag stand im Zeichen der Unterrichtsblogs. Es konnten bereits am ersten Workshoptag auch Unterrichtsblogs erkundet werden. Eines wurde während des Workshops genauer angeguckt werden. Zum Ende des Workshops sollte jede(r) wenn gewünscht mit einem funktionsfähigen Blog den Workshop verlassen.
Beispiel Unterrichtsblog
Die Teilnehmerin Saskia Lemenkühler hatte bereits vor dem Workshop ein Unterrichtsblog im Einsatz. Es handelt sich um das Blog Sprachspielerei zum Deutschunterricht einer siebten Klasse an einer Hamburger Gesamtschule. Es wahr sehr interessant sich nicht nur ein Unterrichtsblog anzusehen, sondern darüber hinaus auch Gründe für und gegen alle möglichen Dinge zu hören und auch von den Erfahrungen zu hören.
Ich habe mir folgende Dinge aus Saskias Schilderungen notiert und möchte sie hier gerne weitergeben:
- Neben dem Einsatz des Blogs für die Unterrichtsthemen ist auch der Erwerb weiterer Medienkompetenz ein Grund das Blog mit den Schülern zu benutzen.
- Bisher ist das Blog eine freiwillige Angelegenheit und bietet zusätzliches, unterrichtsbegleitendes Material.
- Problematisch stellt sich derzeitig noch die Verfügbarkeit von Internetzugängen innerhalb und außerhalb der Schule dar.
- Das Feedback ist bisher durchweg positiv. Dies spiegelt sich auch an der zahlreichen Kommentaren im Blog wieder.
- Saskia hat ein gestuftes Vorgehen für die Partizipation der Schüler im Blog gewählt. Bisher sind die ersten zwei Stufen umgesetzt. Die dritte Stufe soll folgen.
Planung eines Unterrichtsblogs
Es folgte eine Phase in der eigne Unterrichtsblogs geplant werden konnten, wenn dies nicht schon am Vortag geschehen ist. Lisa Rosa stellt in der Blogwerkstatt umfangreiches Material zur Verfügung welches bei der Planung eigener Blogs helfen kann. Besonders haben mir die Typen (Modelle) für den Einsatz von Blogs in Schule und Unterricht, die Checkliste zur Planung der Arbeit mit Blogs und die Entwurfskizze für einen Unterricht mit Blogs gefallen.
Workshopergebnisse
Ich möchte an dieser Stelle die Blogs verlinken, welche durch die Workshopteilnehmer erstellt wurden:
Unterrichtsblogs
Fach: Kunst
Frau H’s Blog
Fach: Englisch
Sprachwelt
Fach: Deutsch
Sprachspielerei
Fach: Chemie
Chemie ist ätzend
Chemie Kaut
Fach: Religion
Religionswerkstatt
Hamburg – Stadt der Religionen
Fach: Mathematik
Mathe – Ein Blog
Weitere:
Herr Poppinga – Der Schulblog Fächer: Geographie, Geschichte und PGW
Unser Viertel – unser Lebensraum
Mein Wortsalat (noch geschützt)
Triptogb’s Blog
Lehrerblogs
Klug’s Blog Fächer: Geographie, Geschichte und PGW
Didaktinchen’s Blog Fächer: Religion
Ich bin davon überzeugt das einige der o.g. Blogs auch mittel- und langfristig eine interessante Lektüre darstellen. Feedback von außen ist sicher auch in den Unterrichtsblogs erwünscht.
Fazit
Innerhalb von zweit Tagen Workshop sind einige Blogs im Lehrer- und Schulkontext entstanden. In der Feedbackrunde wurde mehrfach der Wunsch geäußert Unterrichtsblogs im Kontext von Unterrichtsentwürfen und didaktischen Konzepten zu betrachten wobei Erfolgsfaktoren und Probleme benannt werden sollten. Meines Erachtens ist dies immer nur im Gespräch mit Praktikern möglich die ihre Arbeit reflektieren und evaluieren. Eine Liste mit Punkten die erfüllt sein müssen um ein erfolgreiches Unterrichtsblog zu haben scheint mir genau so lose verkettet wie die Logik, dass eine gut ausgestattete Küche automatisch zu leckerem Essen und gutem Kochen führt. Wie ein Blog sinnvoll und didaktisch gewinnbringend in den Unterricht integriert werden kann muss eigentlich für jede Lerngruppe neu definiert werden. Insofern scheinen Patentrezepte (noch?) nicht greifbar zu sein. Wenn zunehmend Blogs zur Unterstützung des Unterrichts eingesetzt werden und die Erfahrungen der Lehrenden ausgetauscht werden könnte man allerdings versuchen so etwas wie Leitlinien zu entwickeln die Neulingen auf dem Gebiet zur Handlungsorientierung angeboten werden können.
Dank Jessica Peters habe ich am Abend nach dem letzten Workshoptag noch ein Video zu Blogs/Wikis im Schuleinsatz gefunden. Vielleicht ist das für Leute die bisher gelesen haben interessant…
Mir hat es viel Spaß gemacht mich mit den spezifischen Anforderungen der verschiedenen Referendarinnen und Referendare auseinander zu setzen und die unterschiedlichen Umsetzungsideen aufzunehmen. Zum Thema Blogs mal in die Teilnehmerrolle rutschen zu können war ebenso angenehm wie die Art in der Lisa Rosa mich in den Kurs eingebunden hat.
Weitere Photos aus dem Workshop
Alle Grafiken in voller Auflösungen habe ich bei flickr eingestellt.




Lieber Ralf, vielen herzlichen Dank für die Doku – dann kann ich mich ja schon meinem nächsten Wochenendseminar (diesmal Neuengamme) widmen.
Von wegen bloß Teilnehmer-Rolle. Du bist viel zu bescheiden. Es war klasse Co-Teaching mit Dir, ohne Deine wertvollen Hinweise und den unermüdlichen Support für die Referendare wäre alles nur halb so gut gewesen.
Danke für alles und hoffentlich kriegen wir irgendein Modell hin, bei dem wir wieder zusammenarbeiten können.
Ich hatte auf jeden Fall eine gute Zeit mit Dir und den ganzen netten Referendaren und den inspirierenden Ideen. Egal in welcher Rolle
Übrigens finde ich Dein Stufenmodell zur Schülerpartizipation im Blog super und habe es in den Werkzeugkasten der Blogwerkstatt gelegt.
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Hey Ralf,
vielen Dank für die ausführliche Zusammenfassung! Ich habe das Stufenmodell zur Schülerpartizipation sofort kopiert ;o)
@tülin @lisarosa: Prima, dafür ist es ja da!
Für mich ist dieser Blog und deine Themen ein Volltreffer. Da ich keine trackback url fand, hier ein link, da ich hierher verlinke….
http://ingamix.wordpress.com/?p=3413
Hallo,
mich würde mal interessieren, von wie vielen Lehrerinnen und Lehrern heute, also sagen wir mal 1 Jahr nach dieser Weiterbildung, das Blog als Unterrichtsmethode (weiter) genutzt wird. Mir kommt es nämlich so vor, als ob sich nur wenige Blogs auch wirklich dauerhaft am Leben erhalten. Zudem ist es wohl ein großer zeitlicher Aufwand, der bei der Arbeit mit Blogs im Unterricht entsteht. (Also eine Hürde, die erst einmal überwunden werden muss, bevor man sich tatsächlich für die Einrichtung eines Blogs entscheidet.) Eine Neuauflage dieses Artikels würde mich also interessieren, falls das möglich ist. Liebe Grüße
Diesem Kommentar würde ich mich gerne anschließen, denn unter genauerer Betrachtung einiger Blogs der SeminarteilnehmerInnen scheinen diese nach den zwei Seminartagen nicht effektiv genutzt und aktualisiert worden zu sein. Aber vielleicht sind ja auch ganz neue Blogs entstanden, die von dem/der einen oder anderen auch heute noch im Schulkontext genutzt werden. Wäre sicherlich interessant reflektierte Erfahrungsberichte lesen zu können, um festzustellen, wieviel das Seminar denn wirklich gebracht hat.
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Insgesamt ein sehr interessanter Blog zum gleich namigen Thema. Auch mich würde interessieren, ob dieser Workshop öfter angeboten wird und wie die Erfahrungen mit den anderen Teilnehmern waren, da die hier genannten Beispiele meist nach dem Workshop nicht weitergeführt wurden oder bald eingeschlafen sind. Andererseits muss man, denke ich, auch beachten, dass die Teilnehmer Referendare waren und im Referendariat den Kopf sicherlich mit vielen anderen Dingen voll hatten. Darunter wird wohl auch die Arbeit mit dem neuen didaktischen Mittel Weblog gelitten haben. Gibt es solche Workshops (ggf. sogar als Fortbildung) auch für fertige Lehrer? Deren Erfahrungen würden mich interessieren. Der Einsatz von Weblogs wird den Unterricht bestimmt nicht revolutionieren, stellt aber mit Sicherheit eine interessante Erweiterung der didaktischen Möglichkeiten dar.
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Ich kann mich den vorherigen Kommentaren größtenteils anschließen. Ich denke auch, dass die Teilnehmer auf jeden Fall neugierig waren, ein neues Medium für den Unterricht zu erkunden und auszuprobieren. Natürlich ist man in der Anfangsphase sehr euphorisch und begeistert, blogged regelmäßig und nutzt den Blog sinnvoll. Ähnlich wie bei einem Haustier, was das Kind in den ersten Tagen noch toootal lieb hat, sauber macht, füttert und so weiter. Ab einer gewissen Zeit ist damit aber doch Arbeit verbunden.
Dies ist meines Erachtens auch das größte Problem. Ich denke, dass der zusätzliche Zeitaufwand einfach zu groß ist. Neben der normalen Unterrichtsvorbereitung ist ein regelmäßiges Führen eines Blogs eben zu viel Aufwand. Gerade als Referendar/in kann ich mir auch vorstellen, dass diese zwar modernen Unterricht machen möchten, aber anfangs auch noch ein wenig überfordert sind.
Aber durch solch ein Seminar, har man die Möglichkeit eben schon mal im Hinterkopf und kann sie bei der ein oder anderen passenden Unterrichtseinheit eventuell anwenden.
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Folgt man denen von Ihnen bereit gestellten Blogadressen so scheint es wirklich schwierig zu sein einen solchen neben der zweiten Phase der Lehrerausbildung forzuführen.
Eine Frage die mich allerdings interessieren würde, welche Motivation und Beweggründe die 18 Refrendarinnen und Refrendare gehabt haben, um bei diesem Workshop teilzunehmen.
Gruß Jan
Pingback: Unterrichten mit Weblogs « likri
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