Lernen im social Web – ein Seminarrückblick

Im vergangenen Semester habe ich an der Uni Hamburg das Seminar “Lernen im social Web” angeboten. Nachdem in meinen, Thematisch verwandten, Seminaren der letzten Semester selten mehr als 12 Teilnehmer zusammen kamen war ich doch ein wenig überrascht, dass sich in diesem Semester fast 80 Studierende anmeldeten und 34 von Ihnen auch tatsächlich teilnahmen. Dies bedeutet für mich zunächst die Arbeitsformen anzupassen und zu überlegen wie ein Leistungsnachweis erworben werden kann, ohne dass die Leistung nur von mir genossen werden kann.

Einstieg & Themen

Zum Einstieg in das Seminar habe ich die Studierenden Essays erstellen lassen. Hierdurch setzen sich die Studierenden bereits zu Beginn des Seminars mit dem Thema auseinander, haben Gelegenheit ihre eigene Position zum Thema zu reflektieren und entwickeln auf dieser Grundlage und den individuellen Vorkenntnissen eigene Fragestellungen die zur Bereicherung der Diskussionen im Seminar beitragen.

In diesem Zusammenhang haben wir gemeinsam Themen gesammelt mit denen sich die Teilnehmer im Seminar beschäftigen wollen und haben hieraus im Laufe des Seminars einen Ablaufplan entwickelt.

Methodisches

SeminarnotizenNeben den bereits erwähnten Essays habe ich n diesem Seminar zwei weitere Methoden zum Einsatz gebracht mit denen ich sehr zufrieden war. Zum Einen wurden für die einzelnen Seminarsitzungen kollaborative Protokolle erstellt. Diese Protokolle (Bei den Links unter Seminarnotizen zu finden) haben mit mit dem Etherpad-Klon typewith.me und dem Notebookcenter der Fakultät EPB erstellt. Dies war für die Studierenden und für mich extrem hilfreich. Für alle bestand so die Möglichkeit die Dinge festzuhalten die wichtig erschienen und ich hatte im Nachgang die Möglichkeit zu sehen welche Aspekte die Studierenden für so wichtig hielten dass sie in das Protokoll aufgenommen wurden oder welche Fragen zwischendurch entstanden sind. Teilweise wurden in den Protokollen auch Fragen geklärt, ohne den Veranstaltungsverlauf zu beeinträchtigen.
Rechtliche Aspekte spielen bei der pädagogischen Arbeit im social Web eine große Rolle. Um die Studierenden in Gruppen einzuteilen habe ich unterschiedliche Bilder in das Blog eingestellt und die Studierenden gebeten sich einem Bild zuzuordnen. Innerhalb dieser Gruppen wurden verschiedenen Rechtliche Grundlagen erarbeitet.
Um die Einsatzmöglichkeiten verschiedener social Web Angebote für den Bildungsbereich zu identifizieren haben wir die Placemat Methode genutzt. Auch hiermit war ich sehr zufrieden. Die Studierenden hatten Gelegenheit alleine und in der Gruppe zu arbeiten. Die Gruppenergebnisse wurden danach im Plenum ausgetauscht.

Learning Objects

Die Studierenden hatten unter Anderem die Aufgabe ein „Learning Object“ (LO) zu erstellen. Dieses Learning Object, bzw. dieser „Lerngegenstand“ sollte natürlich im Kontext des social Web entstehen und in jedem Fall die Möglichkeit bieten, dass diejenigen die mit diesen Lerngegenständen arbeiten, die Möglichkeit haben ein Feedback zu geben, Fragen zu stellen und sich ggf. untereinander auszutauschen. Einige dieser studentischen Arbeiten werden im folgenden vorgestellt. Sie sollen zum ausprobieren und nachmachen anregen. Feedback ist hierbei in jedem Fall erwünscht.

Die meisten SeminarteilnehmerInnen haben sich dafür entschieden ein Blog als Grundlage für ihr LO zu nutzen.
Es gab Blogs zu den folgenden Themen

  • Wie richte ich ein Blog ein
  • Wie stellt man Pralinen her
  • Wie schreibt man eine Hausarbeit
  • Was ist bei einer Exkursion zu Beachten (Alpen & Norwegen)
  • Wie funktioniert die Photographie (zwei mal)
  • Was muss man in der Orientierungseinheit Erziehungswissenschaft alles wissen
  • Geocaching
  • Wie kann man mit dem Spiel World of Warcraft lernen)
  • Das Leben mit Diabetes mellitus

Es gibt eine Facebookseite zum Biologiestudium an der Uni Hamburg, in einem Wiki Artikel wird das „Toaster Spiel“ erklärt, es wurden YouTube Videos erstellt die das „Nim Spiel“ im Zahlenraum 1-10 und das Schneiden von Zwiebeln erklären, es gibt einen Webquest zum Thema Wolken & Niederschlag und ein Quiz zu den Hauptstädten Europas.

Diese Aufzählung verdeutlicht das große Spektrum an technischen und inhaltlichen Möglichkeiten Lerngegenstände im social Web zu erstellen, ohne dass hierfür besondere technische Fähigkeiten erforderlich sind. Gleichzeitig lässt sich feststellen, dass der bloße Einsatz von social Web Diensten kein Garant für ein gelungenes Learning Object ist, sonder pädagogische Kenntnisse und Fähigkeiten gepaart mit Kreativität zu den besten Ergebnissen führen.

Link zu allen LO’s http://bit.ly/f4HpdR
Link zum Seminarblog: http://blogs.epb.uni-hamburg.de/lisw

Fazit

Ich bin mit den eingesetzten Methoden sehr zufrieden. Nachdem ich in vergangenen Semestern eher Twitter als kollaborativen (Rück-)Kanal während und nach der Veranstaltung eingesetzt habe einsetzen wollte, bin ich mit der Etherpad Variante äußerst zufrieden. Der Grund liegt in der umfangreicheren Nutzung durch die Studierenden. Offensichtlich war es leichter einen Dienst ohne Anmeldung und ohne die enge Bindung an die eigene Person einzusetzen und somit für diesen Zweck die bessere Lösung. Trotzdem habe ich mich sehr gefreut mit einigen Studierenden, insbesondere außerhalb der Seminarveranstaltungen, per Twitter in Kontakt gestanden zu haben und teilweise noch in Kontakt zu stehen.

Die Learning Objects haben mir wieder einmal gezeigt mit welchen großartigen Ideen man rechnen darf, wenn die Studierenden die Gelegenheit haben eigene Interessen mit den Inhalten des Seminars zu verknüpfen.

In gewisser Weise ist die Seminarorganisation eine Weiterentwicklung des Seminars mit Blog, Wiki & Co. Die dort benannten “Findings” scheinen mir immer noch aktuell.

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Autor: Ralf Appelt

Mein Name ist Ralf Appelt. Ich interessiere mich für Medien, Bildung & Design. Man kann den RSS-Feed dieser Seite abonnieren oder mir bei Twitter folgen. Kommentare, Anregungen und andere Reaktionen zu meinen Beiträgen freuen mich sehr!

4 Kommentare

  1. tolles seminar! danke für die vielen didaktisch-methodischen anregungen!

    besonders gut finde ich die idee, die lernenden ein mitlaufendes und für alle sichtbares etherpad-protokoll zu schreiben. das ist nicht bloß doku, sondern auch gleich mitlaufendes feedback, sodass man situativ die seminarstruktur anpassen kann. (was alles geht, wenn die leute alle mit einem laptop arbeiten!)

    jetzt noch ein fräglein:
    woher hast du diesen begriff ‘learning object’? ist er etabliert (in welcher wiss. diskussion bzw. theorie?) ich habe das problem, dass in der tätigkeitstheorie in englischer sprache – also international – ein object das ist, was vom subject (dem individuum, das lernt) gelernt werden soll. das ist etwas vertrackt, sowieso, auch mit dem begriff ‘subject’ natürlich, weil im alltagspädagogischen sprachgebrauch nämlich subject das zu lernende sein soll. (aber auch in diesem gebrauch ist ‘subject’ nämlich das, was wir “fach” oder “domäne” oder “thema” nennen können, auf jeden fall NICHT der Lerngegenstand, das Ding, was gelernt werden soll.
    wenn ich dein ‘learning object’ richtig verstanden habe, dann fungiert es als werkzeug, als mittler, als instrument, um etwas anderes zu lernen. in der kulturhistorischen schule wird das genannt: “vermittelndes objekt” – international english allerdings nur noch: tool, instrument, means.
    wenn wir jetzt dieses “learning object” nicht vom learning object (nämlich dem, was gelernt werden soll mit ihm) unterscheiden, kriegen wir probleme.
    langer rede kurzer sinn: ich brauche literatur über die verwendung deines begriffs.

    • Hallo Lisa,

      tatsächlich habe ich die Bezeichnung keiner Theoretischen Diskussion entnommen, sondern im Laufe eigener Seminarteilnahme irgendwann kennengelernt.
      Deine Trennung von Subjekt, subject und object klingt für mich spannend und sinnvoll. Tatsächlich habe ich die Bezeichnung eher im Sinne des vermittelnden Objects gedacht.
      Es soll die “kleinste sinnvolle Lerneinheit” oder wenigstens eine kleine Lerneinheit (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Lernobjekt&oldid=75546630) sein.
      Wobei nach meinem Empfinden die Verwendung nicht für ein bestimmtes LCMS vorgesehen sein sollte, sondern einfach so angelegt sein sollte, dass sie neu kombinierbar ist und die Möglichkeit des Feedbacks bieten.

      Ich fürchte Deine Frage ist damit noch nicht beantwortet, aber wenigstens weißt Du jetzt was ich mich dabei gedacht habe, bzw. worüber ich mir keine Gedanken gemacht habe.

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